Tour de Tirol 2008

Don­ners­tag abend sind Nor­bert, Andrea, Sigi, Gün­ter, Uli und ich in unse­rer wun­der­schö­nen klei­nen Pen­si­on in der Nähe von Söll ange­kom­men, beim Abend­essen muss­te jeder noch sei­nen Tipp für die 3 Läu­fe abge­ben.

Man­che fan­den das gar nicht lus­tig, glück­li­cher­wei­se wur­den die aus den Fin­gern gesaug­ten Zah­len spä­ter nim­mer raus­ge­kramt …

Ich hat­te mir grob fol­gen­des vor­ge­stellt: den 10er mit Reser­ven in 45 Minu­ten, den Berg­ma­ra­thon unter 5 Stun­den und den Halb­ma­ra­thon in 1:45. Das war natür­lich höchst spe­ku­la­tiv, wer weiss schon vor­her, wie sich bei­spiels­wei­se ein Halb­ma­ra­thon einen Tag nach einem Berg­ma­ra­thon anfühlt.

Frei­tag nach­mit­tag fuh­ren wir mit dem Bus nach Reit im Alp­bach­tal, wo der Eröff­nungs-10er statt­fand. 4 Run­den je 2,5 km, laut Aus­schrei­bung ein fla­cher 10er. Ers­te Über­ra­schung.

So sieht also ein fla­cher 10er aus. Als es end­lich los­ging waren wir alle froh. Die ers­ten 2 Run­den lief ich gemein­sam mit Uli, Gün­ter war nach kur­zer Zeit aus­ser Sicht­wei­te, bei ihm sprang am Ende 41:xx raus. Nach 2 Run­den konn­te ich Uli nim­mer fol­gen, ich war Rich­tung 45 Minu­ten unter­wegs, hat­te aber deut­lich weni­ger Reser­ven als ich mir gewünscht hat­te.

In der drit­ten Run­de über­run­de­te mich die Spit­ze, 2 Kenia­ner gefolgt von Jona­than Wyatt, dem 7‑fachen Berg­lauf­welt­meis­ter und kla­ren Favo­ri­ten der Tour de Tirol. Ein­fach toll, die Pro­fis lau­fen zu sehen. Auf den letz­ten 2 Kilo­me­tern erhöh­te ich den Druck, um unter 45 Minu­ten zu kom­men, was mir nicht gelang, nach 45:09 war ich im Ziel.

Der ers­te der drei Läu­fe war abge­hakt, essen, trin­ken, Sie­ger­eh­rung, mit dem Bus zurück und ab ins Bett.

Sams­tag früh­mor­gens beim Früh­stück lag eine Rie­sen­span­nung in der Luft, was wird uns erwar­ten, wie hart wird der Berg­ma­ra­thon? 10:30 Uhr soll­te es los­ge­hen. Schnell noch ein Grup­pen­bild mit Jona­than Wyatt.

Mit einer halb­stün­di­gen Ver­spä­tung (weil der Pres­se-Hub­schrau­ber noch nicht da war) gings dann end­lich los. Uns stör­te die Ver­spä­tung recht wenig, das Wet­ter war geni­al, wir hat­ten in der Son­ne unse­ren Spass.

Bis zur Halb­ma­ra­thon­mar­ke war der Lauf noch real­tiv flach, 450 Höhen­me­ter, ein stän­di­ges auf und ab. Ich lief wie­der zusam­men mit Uli, Gün­ter war wie gehabt schnell nach vor­ne ver­schwun­den.

Die Hal­ma­ra­thon­mar­ke pas­sier­ten wir nach 1:52:xx, nun gings gleich rich­tig zur Sache, ein lan­ger stei­ler Anstieg hoch zum Hart­kai­ser, unten fuhr gera­de die Zahn­rad­bahn los, ich stell­te mir vor, drin zu sit­zen und oben bei lecke­rem Essen auf Uli zu war­ten. Gut, die Bahn war eh schon weg und schliess­lich war ich ja frei­wil­lig hier auf der Stre­cke. So mar­schier­ten wir also zügig die 600 Höhen­me­ter hoch.

Danach ging es über ein paar wei­te­re Ber­ge, mir kam es etwas selt­sam vor, wie­vie­le Anstie­ge zu meis­tern waren, spä­ter erfuh­ren wir, dass die Stre­cke gegen­über den Vor­jah­ren noch­mal ein wenig ver­schärft wor­den war.

Bei Kilo­me­ter 32 begann das 6 km lan­ge Berg­ab­stück, davor hat­te ich viel Respekt und der Respekt war lei­der mehr als berech­tigt. Bei km 35 tat so lang­sam alles weh, ich eier­te den Berg run­ter, Uli war inzwi­schen abge­hau­en. 200 Meter vor dem tiefs­ten Punkt krampf­te der lin­ke Ober­schen­kel, nichts ging mehr, unten sah ich die Ver­pfle­gung sowie Sani­tä­ter, ich sag­te vor­bei­lau­fen­den Läu­fern, sie sol­len mir einen Sani­tä­ter schi­cken. Kurz danach hat­te ich den Krampf selbst unter Kon­trol­le gebracht und trab­te die letz­ten Meter berg­ab, unten stand Nor­bert mal wie­der mit der Kame­ra …

15 Minu­ten vor­her war Gün­ter durch und mach­te sich auf den Schluss­an­stieg. 700 Höhen­me­ter auf 3 km, teil­wei­se irre steil die Ski­pis­te hoch.

20 Minu­ten nach mir war auch schon Sigi im fla­chen ers­ten Teil des Schluss­an­stiegs.

Für den Schluss­an­stieg hat­te ich nach dem Stu­die­ren der Ergeb­nis­lis­te des Vor­jah­res 50 Minu­ten ange­peilt, lei­der zeig­te mei­ne Uhr unten schon 4:13 an, um unter 5 Stun­den zu blei­ben muss­te ich Gas geben. Ich mar­schier­te am Anschlag, wenns mal flach genug war rann­te ich immer wie­der mal ein paar Meter, so über­hol­te ich nach und nach wie­der alle, die mich berg­ab geschnappt hat­ten. Berg­auf gings mir ein­fach wie­der sau­gut.

4:55, die Berg­sta­ti­on, wo das Ziel war war zu sehen, es könn­te klap­pen… noch­mal scharf links, eine fla­che Pas­sa­ge, ren­nen, rechts um die Kur­ve, wei­ter flach unter­halb der Berg­sta­ti­on um den Berg rum …

… das wird eng, wie weit geht das denn noch? Dann tauch­te das Ziel auf, noch­mal 50 Meter extrem steil hoch, noch eine Minu­te Zeit, tscha­ka!!

Nach 4:59:xx wars voll­bracht.

Gün­ter war in 4:45:xx durch, Uli in 4:55:xx

20 Minu­ten nach mir kam Sigi ins Ziel, sagen­haf­te Leis­tung, ihr ging es gut und sie war total glück­lich, hat­te sich den Berg­ma­ra­thon viel schlim­mer vor­ge­stellt.

Nun begann das ban­ge war­ten auf Andrea, ihr ging es schon Frei­tag nicht gut und Sams­tag vor dem Start war sie alles ande­re als zuver­sicht­lich, wir rech­ne­ten schon mit dem Aus­stieg. Nor­bert hat­te sie bei km 20 noch gese­hen und da war sie nur am Schimp­fen. Irgend­wann woll­te ich nach Nor­bert Aus­schau hal­ten, da wur­de Andrea vom Spre­cher im Ziel ange­kün­digt. Nach 6:06:xx war sie durch, Hut ab, sie hat­te sich durch­ge­bis­sen.

Wir genos­sen noch eine Wei­le das herr­li­che Pan­ora­ma und mach­ten uns mit der Seil­bahn auf den Weg ins Tal, an den Halb­ma­ra­thon am Sonn­tag dach­te erst mal nie­mand, wir waren über­wäl­tigt von den Ein­drü­cken des Berg­ma­ra­thons, der für mich übri­gens deut­lich här­ter war als vor 2 Jah­ren der Jung­f­rau­ma­ra­thon, auf zähe Berg­ab­pas­sa­gen ver­zich­te ich ger­ne.

Sonn­tag war der Halb­ma­ra­thon dran …

Mor­gens im Bett dach­te ich, nee, das dür­fen nicht mei­ne Bei­ne sein, mei­ne Bei­ne sol­len heu­te 21,1 km lau­fen, die Bei­ne da unten dran machen da sicher nicht mit. Nach dem Auf­ste­hen Ent­war­nung. Die Sache war nun durch­aus vor­stell­bar.

11 Uhr fuhr der Bus nach Walch­see, 13 Uhr war Start. Bevor der Bus abfuhr wur­den erst mal Ergeb­nis­se und Zwi­schen­stän­de in der Gesamt­wer­tung gecheckt.

Ober­che­cker Gün­ter notier­te sich, wen er aus dem Ren­nen hau­en muss um in sei­ner Alters­klas­se aufs Trepp­chen zu kom­men.

In Walch­see stell­ten wir erst mal fest, dass der Halb­ma­ra­thon WIRKLICH flach sein könn­te, es waren 4 Run­den nah am Ufer des Walch­sees zu lau­fen. Irgend­wann kam Gün­ter vom “Ein­lau­fen” zurück, mein­te, 100 Meter hät­ten ihm gereicht, Höl­le! Ich pro­bier­te es zusam­men mit Uli, gehen war klas­se, lau­fen sehr müh­sam, egal, wird schon schief­ge­hen.

11 Uhr gings dann bei immer noch strah­len­dem Son­nen­schein los. 1:45:xx brauch­te ich für mein Gesamt­ziel 7:30, 5er-Tem­po. Das war müh­sam, Nach einer Run­de hat­te ich zusam­men mit Uli einen klei­nen Puf­fer raus­ge­lau­fen, hat­te aber das Gefühl, dass ich das Tem­po nicht hal­ten kann. Ich beschloss, deut­lich Tem­po raus­zu­neh­men, sag­te das dem Uli, wor­auf­hin er erst mal nach vor­ne weg war. Bewusst lang­sa­mer fühl­te sich ganz gut an, die Uhr zeig­te aller­dings bei den nächs­ten Kilo­me­ter­mar­ken, dass ich immer noch unter 5 min/km unter­wegs war.

Nach der zwei­ten Run­de lief es halb­wegs rund, ich zog noch ein wenig an. Nun war Uli nach hin­ten weg. Die bei­den letz­ten Run­den haben dann rich­tig viel Spass gemacht, ich wur­de schnel­ler, die meis­ten ande­ren wur­den lang­sa­mer, so macht lau­fen Spass.

200 Meter vor dem Ziel, Tour geschafft, gei­les Gefühl!

Nach 1:42:xx war ich durch. Gün­ter, das Tier rief beim foto­gra­fie­ren “geil, 1:34”. Damit ist er nur gut eine Minu­te über 7 Stun­den Gesamt­zeit gelan­det, ich war mit mei­nen 7:26:xx total glück­lich.

2 Minu­ten nach mir kam Uli ins Ziel, macht gesamt 3 Minu­ten Vor­sprung, die ich ihm gön­ne. <img

Als nächs­ter tauch­te Nor­bert auf, der den 10er und den Halb­ma­ra­thon mit­ge­lau­fen ist.

Kurz nach Nor­bert die Sigi.

Danach kam Grace vom TF Feu­er­bach, mit der ich zusam­men Schwimm­trai­ning mache. Grace ist so ein Ultra-Tier, macht mal kurz Ultra Trail Mont Blanc, K78, diver­se Tri­ath­lons, Tour de Tirol, dem­nächst noch den Rönt­gen­lauf… alles in einem Jahr, kein Wun­der, dass wir sie in Tirol getrof­fen haben.

Last not least hat­te es auch Andrea geschafft.

Im Ziel beka­men wir ein tol­les Finis­her­shirt und ein Race­cap, tags zuvor gabs eine klas­se Müt­ze, beim 10er Socken. Ver­pfle­gung, Stim­mung, Orga­ni­sa­ti­on war nahe­zu per­fekt, ledig­lich die viel zu weni­gen und noch dazu eis­kal­ten Duschen am Frei­tag und Sonn­tag konn­te ich bemän­geln.

Wir fei­er­ten noch ein paar Stun­den lang gemein­sam mit vie­len ande­ren strah­len­den Sport­lern, mach­ten ein paar Abschluss­fo­tos …

… und fuh­ren mit dem Bus zurück, gin­gen abends noch­mal gepflegt essen und fie­len dann erschöpft ins Bett.

Das war sie, die Tour de Tirol, lang hat­te ich mich drauf gefreut… zurecht!

Habe fer­tig.

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